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Die Anthroposophische Heilkunde – eine Rückblick

Notiz Maria Ritter

Die Heilpraktikerin Marie Ritter (1847-1924) war eine Pionierin der Anthroposophischen Pharmakologie und Heilkunde. Aufgrund ihrer Forschungen und Erfahrungen stellte sie Pflanzenpräparate her. 1907 lernte sie Rudolf Steiner kennen. Zu diesem Zeitpunkt lebte sie in Breslau und praktizierte dort als Naturärztin.

 

Auf ihre Anregung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Breslau aus Apfelmistel ein Naturheilmittel herstellte, beschäftigte sich der Begründer der Anthroposophie, Dr. Rudolf Steiner (1861-1925), mit dem Heilpotenzial der Mistel. Dies geschah zu einer Zeit, in der es neben Operationen nur wenige Therapiemöglichkeiten bei Krebserkrankungen gab. Steiner beschrieb die "Eigensinnigkeit" der Mistel, die im Winterhalbjahr blüht und im Winter ihre weißlichen Beerenfrüchte ausbildet, ebenso das Wuchern und Wachsen auf lebendigem Untergrund als Ähnlichkeit zum Tumorwachstum. In Zusammenarbeit mit ihm entwickelte die Frauenärztin Ita Wegmann das erste Injektionspräparat und setzte es in der Tumorbehandlung ein. Was als Erfahrungsmedizin und aufgrund phänomenologischer Betrachtung begann, wurde ab den 1930er Jahren zunehmend auch wissenschaftlich erforscht.

 

Im April 1920 nahm Marie Ritter auf Einladung Rudolf Steiners am zweiten Medizinerkurs teil. Es erfolgte eine Weiterentwicklung mancher ihrer Mittel durch anthroposophische Pharmafirmen (Weleda, Wala). So wurde aus ihrer Ritter-Brustsalbe, die von Rudolf Steiner zur Behandlung der an Krebs erkrankten, anthroposophischen Künstlerin Edith Maryon empfohlen wurde, der WALA Plantago Bronchialbalsam. Auch die Krebsmittel Iscador und Helixor gehen letztlich auf ihre Forschungen zurück. (Siehe: https://de.imedwiki.org/wiki/Marie_Ritter)

 

1978 formierten sich die Anthroposophischen Heilpraktiker*innen um das Ehepaar Vera und Karl-Heinz Knür, die sich 1978 in den Räumen der WALA zu einer informellen Arbeitsgemeinschaft. Aus persönlichen Beziehungen heraus ergaben sich Kontakte mit Dr. med. Friedrich Lorenz als damaligen Leiter der Medizinischen Sektion an der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. 

 

Vom 10. - 11. November 1979 fand eine erste Tagung der Heilpraktiker*innen im Goetheanum in Dornach/Schweiz auf Einladung Dr.med. Friedrich Lorenz statt.

Dr. phil. Rudolf Steiner

Es folgten weitere Treffen der Anthroposophischen Heilpraktiker mit der Leitung der Medizinischen Sektion, welche von Frau Dr. med. Michaela Glöckler, der Nachfolgerin in der Sektionsleitung aufgegriffen und zur regelmäßigen Einrichtung erhoben wurden.

 

Diese Gemeinschaft Anthroposophischer Heilpraktiker hat sich 1992 die Form eines Vereins gegeben, die „Arbeitsgemeinschaft Anthroposophischer Heilpraktiker“ (heute Allgemeine Gesellschaft Anthroposophischer Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker) AGAHP e.V. 

 

Die Gründungsversammlung der „Arbeitsgemeinschaft Anthroposophischer Heilpraktiker e.V.“ als Verein war aber alles andere als ein formeller Verwaltungsakt. Die Versammlung fand am 19. Juni 1992 am Goetheanum in Anwesenheit von Dr. med. Michaela Glöckler und Dr. med. Jürgen Schürholz als Versammlungsleiter statt.

 

In der Zeit von 2005 bis 2012 wurde die Anthroposophische Heilkunde nach außen entwickelt. In diesem Zusammenhang wurden Leitbild, Berufsbild geschaffen und der Markenschutz beim Deutschen Patent- und Markenamt eingerichtet. „Mit dem Schutz der Marke Anthroposophische Heilkunde (AGAHP)® handelt sich hierbei nicht nur um eine Form von „Besitzstandswahrung“, sondern um die Wahrung eines Identität stiftenden Urheberrechtes, das auch im esoterischen Zusammenhang bedeutsam, und nun im Rechtsleben verankert ist.“ (Auszug aus: Renate Künne, AGAHP-Handbuch 2014.)

 

Die Anthroposophische Heilkunde ist ein Tätigkeitsbereich der anthroposophischen Heilpraktiker*innen. Die Ausübung der Anthroposophischen Heilkunde setzt die Erlaubnis zur Ausübung der allgemeinen Heilkunde voraus. Die Weiterbildung in Anthroposophischer Heilkunde führt zu einer Vertiefung und Erweiterung dieser Tätigkeit. Bei entsprechender Qualifikation kann die Zertifizierung "Anthroposophische Heilkunde (AGAHP)®" durch den Berufsverband erlangt werden. (Siehe Therapien)

Dr. med. Ita Wegman

Ähnlich wie die von Ärzten und Ärztinnen ausgeübte Anthroposophische Medizin ist auch die Anthroposophische Heilkunde eine ganzheitlich-integrative Heilweise. Ihre Grundlage sind die heilkundlichen Methoden und die besonderen beruflichen Bedingungen der Heilpraktiker*innen.

 

Die Inhalte der Anthroposophischen Heilkunde werden vom Berufsverband AGAHP e.V. erarbeitet und mit der medizinischen Sektion der Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum sowie der International Society of Anthroposophic Naturopathy abgestimmt. 

 

Die AGAHP ist korporatives und Gründungs-Mitglied der ISAN. Die Gründungsstatuten der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (AAG) legen fest, dass sich Mitglieder auf jedem Gebiet zu kleineren oder größeren Gruppen zusammenschließen können. Die Mitglieder der AGAHP sind somit auch Mitglieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft.

 

Seit 2021 werden alle Qualifizierungen in der Anthroposophischen Heilkunde nach dem "International Core Curriculum for Further Education and Advanced Training in Anthroposophic Naturopathy" der ISAN durchgeführt.

 

Die Gesamtkonferenz Deutscher Heilpraktikerverbände und Fachgesellschaften (GDH) wurde 2018 in Kassel ins Leben gerufen. Sie setzt sich aus mehr als 30 Heilpraktikerverbänden und -gesellschaften zusammen und vertritt etwa 47.000 Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker. Die GDH will den Heilpraktikerberuf zukunftssicher gestalten und steht für besondere Kompetenzen, Verantwortung und Qualität im Heilpraktikerberuf. Gute Patientenversorgung bedeutet Qualitätssicherung, Patientenschutz und Wahlfreiheit!

 

Die AGAHP engagiert sich seit dem Jahr 2018 in der GDH mit dem Ziel, die Kurierfreiheit für Patientinnen und Patienten sowie deren Wahlfreiheit zu gewährleisten.