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Therapie

„Um Gesundheit und Krankheit in einem erweiterten Sinne verstehen zu lernen, wollen wir über den sichtbaren Körper hinaus auch die unsichtbaren Glieder der menschlichen Wesenheit kennenlernen und versuchen, ihre Sprache zu deuten, mit der sie unentwegt in die körperlichen Vorgänge hineinwirken. Denn so, wie die Hand zum Arm gehört und der Arm wiederum ein Glied des ganzen Körpers ist, kann auch der Körper selbst erst als ein Glied oder Teil des Menschen betrachtet werden.“

Dr. Rudolf Steiner

Die von Dr. phil. Rudolf Steiner begründete Anthroposophie [griech. „Menschenweisheit”] versteht sich als ein die naturwissenschaftliche Forschungsweise Goethes weiterbildender Erkenntnisweg hin zum Metaphysischen, dessen Ergebnisse Dr. phil. Steiner in Zusammenarbeit mit der holländischen Ärztin Dr. med. Ita Wegmann auch für die Medizin im Sinne einer Erweiterung der Heilkunst etablierte.

 

Aus einer Menschenerkenntnis heraus, welche die leiblich-seelisch-geistige Ganzheit des Menschen mit in die Betrachtung einbezieht, legten Rudolf Steiner und Ita Wegmann gemeinsam 1920 den Keim für eine Erweiterung der Heilkunst.

 

Die Anthroposophische Heilkunde unterscheidet zwischen vier Wirklichkeitsebenen (Wesensglieder), die als physischer Leib, Lebensleib oder Ätherleib und Trieb- und Empfindungsleib oder Astralleib sowie als Ich bezeichnet werden. Sie bilden die Grundlage für eine integrative Heilkunde, wie sie heute von anthroposophischen Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern praktiziert wird.

  • Der physische Leib als der sichtbare Körper,

  • Der Lebensleib als die Summe der den Körper belebenden Lebensprozesse, wie z. B. Atmung und Wachstum,

  • Der Trieb- und Empfindungsleib auch Seelen- oder Astralleib ermöglicht Empfindungen und Bewusstsein, er vermittelt uns Lust oder Unlust, Freude oder Schmerz, Sympathie und Antipathie,

  • Das Ich, als geistigen Wesenskern, das nur der Mensch besitzt; das höchste der vier Glieder ist das Zentrum der Persönlichkeit.

Diese vier genannten Wesensglieder stehen nur beim gesunden Menschen in einem ausgewogenen Gleichgewicht. Ziel jeder anthroposophischen Heilbehandlung ist es, dieses gesunde Verhältnis der Wesensglieder zueinander zu erhalten oder wieder herzustellen.

 

Zu diesem Zweck versuchen Anthroposophische Heilpraktiker*innen, die Ursachen einer Erkrankung ganzheitlich zu erfassen. Die Therapie wird nicht nur durch die Diagnose bestimmt, sondern auch durch den Krankheitsverlauf, den Lebenslauf, das soziale Umfeld und die Persönlichkeit des Erkrankten.

 

Die Anthroposophische Heilkunde ist somit keine nur äußerlich erlernbare Methode, die neben anderen in der Praxis eingesetzt werden kann, sondern ein Entwicklungsweg des Heilpraktikers, der ihn dazu befähigt, alle seine heilkundlichen Methoden sowie seine gesamte Praxistätigkeit anthroposophisch zu durchdringen.

 

Diagnostik und Therapien der Anthroposophischen Heilpraktiker*innen

Als Diagnoseverfahren und Therapiemethoden kommen wissenschaftlich fundierte Methoden aus der Medizin infrage, die auf persönlichem Kontakt und menschlicher Wahrnehmung basieren, wie z. B. Anamnese, körperliche Untersuchung, Blut- und Urinuntersuchung. Ergänzend kommen naturheilkundliche Methoden wie Irisdiagnose, Dunkelfeldmikroskopie, Reflexzonendiagnose, Pathophysiognomie, Pulsdiagnostik etc. zum Einsatz.

 

Anthroposophische Heilpraktiker*innen wenden neben den üblichen Methoden auch die Wesensglieder-Diagnostik an, die die Basis für die Wesensgliedertherapie bildet. Die Ergebnisse zeigen, dass diese vier Wesensglieder in einem dreigliedrigen System wirken. Aus den vorliegenden Befunden lassen sich eine Sklerose im Sinnes-Nervensystem, eine Dysbalance im rhythmischen System sowie Tendenzen zu Entzündungen im stoffwechselaktiven Gliedmaßenbereich ablesen.

 

Die Anthroposophische Heilkunde umfasst darüber hinaus weitere Anwendungen. Ein Beispiel ist die Metalltherapie. In der Metalltherapie findet das Wissen um die Metalle Anwendung, wobei der Fokus auf der therapeutischen Nutzung zu bestimmten Organen des menschlichen Organismus liegt.

 

In der Anthroposophischen Heilkunde findet ebenso eine gezielte Anwendung von Anthroposophischen Arzneimitteln aus dem Mineral-, Pflanzen- und Tierreich statt. In der Regel manifestiert sich dies in potenzierter Form (D1 bis D30).

 

Darüber hinaus existieren weitere erprobte anthroposophische Methoden, darunter die rhythmische Massage nach Dr. Ita Wegman, Spacial Dynamics, Heileurythmie und Chirophonetik.

 

Anthroposophische Heilpraktiker*innen für Psychotherapie bieten verschiedene Methoden an, darunter Anthroposophische Biografie-, Kunst- und Musiktherapie sowie klassische Verfahren wie Traumatherapie, lösungsfokussierte Kurztherapie, Gesprächspsychotherapie, Verhaltenstherapie oder psychodynamische Therapien. Auch Entspannungsverfahren wie Autogenes Training und Hypnosetherapie werden eingesetzt.